Autor: Ralph

 

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Nach dem I. Weltkrieg stand das Deutsche Reich vor einer historischen Entscheidung: Sollte Deutschland eine Räterepublik nach russischem Vorbild werden, weiter als Monarchie bestehen (ähnlich dem Vereinigten Königreich) oder als Republik nach amerikanischem und französischen Vorbild gestaltet werden?

 

1. Situation nach dem Ersten Weltkrieg

Die Situation gestaltete sich zum Ende des Ersten Weltkrieges für das Deutsche Reich schwierig. Militärisch konnte der europäische Krieg nicht mehr gewonnen werden: An der Westfront übten Amerikaner, Engländer und Franzosen gewaltigen Druck aus, die KuK-Monarchie Österreich-Ungarn war militärisch zusammengebrochen. Die Marine, in die zur Jahrtausendwende Milliarden investiert wurden und die das Prunkstück der Herrschaftsmacht Wilhelm II. werden sollte, war im gesamten Kriegsverlauf von 1914 – 1918 nicht eingesetzt worden.

Als zu Ende des Krieges der Befehl zum Auslauf kam, war den Soldaten sofort bewusst, dass ihr Einsatz keinen militärischen Nutzen mehr haben konnte: Die britische Marine war überlegen – ein Gefecht hätte nur den sicheren Tod gebracht, die Marine hätte verheizt werden sollen: Es kam zur Meuterei. Die Soldaten verweigerten den Befehl, setzten ihre Kommandeure ab und gründeten provisorische Arbeiter- und Soldatenräte. Dieses Feuer des Widerstands breitete sich in Windeseile in ganz Deutschland aus: Das Reich war ausgezehrt vom Krieg, die Menschen litten an Hunger, am Verlust ihrer Angehörigen – der von so vielen als schnellen Sieg geträumten Krieg hatte innerhalb von 4 Jahren ein ganzes Volk in die Armut gezwungen.

Der Widerstand im eigenen Land zwang die Oberste Heeresleitung eine schnelle Beendigung des Krieges herbeizuführen: Der Monarch Wilhelm II. musste abdanken und Politiker wurden vorgeschickt, um die Kapitulation zu erklären. Bereits hier wurde der Grundstein für den Niedergang der späteren Republik gelegt: Nicht die Generäle kapitulierten, sondern Parteipolitiker – das Militär war unbesiegt im Felde. Vor allem der Matrosenaufstand diente rechten Ideologen später zur Dolchstoßlegende: Das im Felde unbesiegte deutsche Heer wurde von hinten durch das eigene Volk erdolcht.

Am Fatalsten waren jedoch die Friedensbedingungen, die die Siegermächte dem Deutschen Reich im Versailler Vertrag diktierten: Die alleinige Kriegsschuld traf das Deutsche Reich und die Reparationsleistungen vernichteten jeden wirtschaftlichen Wiederaufbau. Mit dieser schweren Hypothek war die Weimarer Republik bereits von Beginn an belastet.

 

2. Die Weimarer Republik

Philipp Scheidemann ruft die Republik aus
Philipp Scheidemann ruft die Republik aus

Philipp Scheidemann kam Karl Liebknecht bei der Ausrufung der Republik nach der Abdankung Wilhelms II. zuvor: Wenige Minuten entschieden damals über die politische Richtung, die Deutschland nehmen sollte: Das Deutsche Reich wurde eine konstitutionelle Demokratie mit einem starken Reichspräsidenten und vielen Elementen, die sich auch ihn unserem heutigen Grundgesetz wiederfinden: Die Regierung wurde aus Kanzler und Ministern gebildet und vom Reichstag als Volksvertretung gewählt – dieser war wiederum Volksvertretung aller Deutschen – auch die Frauen erhielten das aktive und passive Wahlrecht.

Der erste Reichspräsident der Weimarer Republik wurde der SPD-Politiker Friedrich Ebert. Bereits in den ersten Jahren musste er schwere Krisen bewältigen: Die Reparationsbelastungen vernichteten die Wirtschaft, die Franzosen marschierten aufgrund ausstehender Leistungen in das Ruhrgebiet ein (das Herz der deutschen Wirtschaft mit einer großen und starken Montanwirtschaft: Krupp, Thyssen und Flick), rechte Ideologen versuchten die Macht zu übernehmen (Hitler-Kapp-Putsch) und eine rigorose Sparpolitik der Regierung führte zu einer Hyperinflation (1923), die die Armut für Millionen Menschen bedeutete.

Erst durch amerikanische Kriegskredite konnte Deutschland wieder wirtschaftlich erstarken – die Deutschen fassten zunehmend Vertrauen in die Demokratie: Die goldenen zwanziger Jahre wurden für das kriegsgebeutelte Land ein kulturelle, wirtschaftliche, politische Blütezeit: Gustav Streßemann erreichte Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund und die Beendigung der außenpolitischen Isolation, die Kredite brachten den Deutschen Arbeit und Wohlstand und Berlin wurde zum kulturellen Zentrum Europas. Ein damaliger Zeitzeuge war fassungsloss, dass dieses strahlende Land zu einer solchen Bestie werden konnte, wie es unter der NS-Herrschaft geschah.

Diese goldene Phase fand jedoch früh sein Ende mit der Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten (1929). In Folge dieser Ereignisse zogen die amerikanischen Investoren ihre Kredite aus Deutschland ab – es setzte eine fatale Kettenreaktion ein: Die deutschen Unternehmen konnten Produkte in wichtigen Exportmärkten nicht mehr absetzen und Schulden mussten zurückgezahlt werden: Eigentlich gesunde Unternehmen wurden so unverschuldet in den Bankrott getrieben. Für die deutsche Bevölkerung hatte dies Arbeitslosigkeit, Verarmung und Hunger zur Folge – vor Suppenküchen bildeten sich lange Schlangen und das langsam erarbeitete Vertrauen in die Demokratie wurde innerhalb weniger Monate zerstört.

In der Folge radikalisierte sich das politische Klima – extremistische Parteien wie NSDAP und KPD erhielten gewaltige Stimmenzuwächse, parteipolitische Auseinandersetzungen ereigneten sich gewalttätig als Straßenschlachten und die demokratischen Parteien verloren immer mehr an Boden.

 

3. Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten

Versammlung der NSDAP im Bürgerbrauchkeller - Bild Bundesarchiv, Bild 146-1978-004-12A / Hoffmann, Heinrich / CC-BY-SA
Versammlung der NSDAP im Bürgerbrauchkeller – Bild Bundesarchiv, Bild 146-1978-004-12A / Hoffmann, Heinrich / CC-BY-SA

Trotz fehlendem Vetrauen in die Demokratie, kaisertreuen Beamten, starken extremistischen politischen Kräfte und einer schwierigen außenpolitischen Lage konnte die Weimarer Republik eine Blütezeit nach 1923 erleben. Erst die Weltwirtschaftskrise spülte Hitler an die Macht: Seine republikfeindlichen, antisemitischen und völkischen Reden begeisterten Millionen Menschen – Deutschland war zu dieser Zeit nicht regierungsfähig: Kanzler regierten ohne Mehrheit allein durch die Protektion des Reichspräsidenten Hindenburg. Dessen starke Stellung erlaubte es ihm, den Reichstag wieder und wieder aufzulösen. Hindenburgs Einstellung zur Demokratie selbst war hinlänglich bekannt: Als kaisertreuer Militarist konnte er der aufklärerischen Idee der Volksbeteiligung nichts abgewinnen und war alten Denkstrukturen verhaftet. Dennoch sperrte er sich lange Zeit gegen die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Erst als konservative Spitzenpolitiker signalisierten, Hitler einzurahmen, stimmte er einer Ernennung zu. Mit Hitler als Reichskanzler fand die Weimarer Republik ein bitteres Ende – es war der 30. Januar 1933.

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